Staudenknöterich & Springkraut: Unkraut oder Nützling?

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Gestern las ich im Wilden Gartenblog einen Beitrag über den Japanischen Staudenknöterich mit einem Video von Herrn Peter Becker. Er bekämpft den Knöterich sowie das Indische Springkraut, indem er die Pflanzen und Blüten zu Gelee verarbeitet.

» Staudenknöterich und Springkraut

Der Staudenknöterich ist ein Neophyt, wächst mit Vorliebe an fließenden Gewässern und besitzt, mit circa 30 cm pro Tag, ein enormes Wachstum. Im Erdreich verbreitet er sich durch Rhizome. Eine Ausrottung dieser Pflanze ist deshalb sogut wie unmöglich.

Indisches Springkraut

Das Indische Springkraut ist ebenfalls ein Neophyt und wächst an Flüssen und Bächen. Erwachsene Pflanzen entwickeln unzählige Blüten und Samen, welche sich durch einen „Springmechanismus“ weit verbreiten und auch noch winterhart sind.

Beide Pflanzen werden von Gärtnern und Naturschützern verflucht. Diese Neophyten würden die heimischen Gewächse verdrängen und sich unhaltsam ausbreiten. Viele versuchen deshalb mit missionarischem Eifer die vorhandenen Bestände komplett auszurotten. Dabei wird dann auch schon mal zu Herbiziden (Pflanzengiften) gegriffen.

» Notwendige Nahrungsquelle für Insekten

Was jedoch selten jemand in Betracht zieht: Diese zwei Neophyten sind eine hervorragende Nahrungsquelle für unzählige Insekten u.a. unseren Honigbienen.

Japanischer Staudenknöterich

Kaum zu glauben, aber im Spätsommer, wenn die meisten Pflanzen mit voller Kraft blühen, ist für Insekten eine sehr kritische Phase. Sie finden trotz großer Blütenauswahl kaum Nahrung. Das Springkraut und der Knöterich blühen nun aber genau in dieser Zeit und sind für Insekten lebensnotwendig. Dazu sollte man sich im Spätsommer nur mal die Blütenstände des Staudenknöterich näher anschauen.

» Kaum Tracht als Alternative

In der Natur kommt ein ausreichendes Trachtband für Insekten nur noch selten vor. Schuld daran sind u.a. die unzähligen Viehweiden, welche intensiv bewirtschaftet werden, oftmals insektenunfreundlichen Anpflanzungen in Gärten und Pflanzenzüchtungen ohne Nektarertrag.

Japanischer Staudenknöterich

Wir können wirklich froh sein, dass es diese zwei Neophyten gibt: Sie schließen eine verheerende Nahrungslücke im Sommer.

» Kompromiss mit den Neophyten

Man muss mit diesen zwei Pflanzen nicht auf Kriegfuß stehen: Es ist möglich einen Kompromiss zu schließen indem die Pflanze selbst akzeptiert, aber die massenhafte Verbreitung eingeschränkt wird. Die oben genannte Idee, junge Knöterichtriebe oder Springkrautblüten zu Gelee zu verarbeiten, finde ich gut.

Es ist außerdem zu überlegen, ob wirklich so viel heimische Flora verdrängt wird. Als Mensch sieht man ja nur Zeiträume von 20-30 Jahre. Wie sieht es in 100 oder 200 Jahren aus? Die Rosskastanie hat sich schließlich auch eingebürgert.

Indisches Springkraut

Vielleicht sollten diese zwei Neophyten als Ersatz für all die Pflanzen gesehen werden, welche aufgrund menschlichen Zutuns aus der Umwelt verschwanden und damals, wo diese noch reichlich vorhanden waren, den Insekten als Nahrungsquelle dienten (mir fällt da spontan z.B. die Kornblume und der Klatschmohn ein).

Warum sollte man sich also die Arbeit machen und Pflanzen ausreißen sowie Bestände vernichten? Die Natur wird irgendwann ihr Gleichgewicht finden – ganz ohne das Zutun des Menschen.

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Dieser Beitrag wurde am Freitag, 01. Januar 2010 um 21:13 Uhr veröffentlicht.

Ein Kommentar

  1. 1. – Luise

    Kommentar vom 01. Januar 2010 um 21:39

    Toller Beitrag, das sehe ich auch so!
    Viele Pflanzen, die wir heute hier als normal ansehen, sind im Prinzip ja auch Exoten – viele Gemüsesorten, etc.!
    Und meist siedeln sich die Neophyten ja an, weil das einheimische Gleichgewicht gestört ist und die einheimische Flora nicht stark genug ist, um sich zu wehren. In den USA verbreitet sich eine europäische Pflanze, der gewöhnliche Blutweiderich, und wird dort als Neophyt angesehen. Allerdings verbreitet er sich hauptsächlich in kranken und verschmutzten Gewässern, welche er reinigt. Wenn das Gewässer wieder sauber ist, geht der Bestand meist wieder alleine zurück. Trotzdem wird er bekämpft.
    Man sollte wirklich erstmal versuchen das große Ganze zu sehen, bevor man sich ein Urteil über etwas bildet.
    Viele Grüße,
    Luise

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